Eine Glücksoase auf Sansibar

Von Hamburg geht es über Frankfurt, Addis Abeba, Dar-es-Salam nach Sansibar. Es ist das erste mal, dass drei Gründungsmitglieder von alma terra bei der Entstehung einer Glücksoase in Form eines Spielplatzes dabei sein können. Das Team, alma terra Sansibar, ist nach einer fast 20 stündigen Anreise zwar müde aber auch glücklich und neugierig auf das was sie auf dieser magischen Insel erwartet. Die ersten Eindrücke werden wie in Trance wahrgenommen. Auf Sansibar stehen gerade Wahlen an und die Dörfer sind bunt in den Farben der zur Wahl stehenden Parteien geschmückt und so voller Menschen, dass wir nur langsam in den Ort gelangen an dem die neue Glücksoase entstehen soll. Endlich gelangen wir nach Nungwi, einem kleinen Ort an der Nordspitze Sansibars. Hier enden die asphaltierten Straßen und es geht über holprige Sandpisten durch das Dorf in Richtung zu unserem Hotel. Als wir zu unserem einfachen aber gut gelegenen Hotel gelangen sind wir so müde, dass wir nur noch wenig wahrnehmen und nach einer kurzen Dusche schnell einschlafen.

Am nächsten Tag geht es nach dem Frühstück direkt zu dem Platz an dem die neue Glücksoase entstehen soll. Direkt neben der zentralen Schule in Nungwi. Hier gibt es circa 2000 Jungen und Mädchen, die sich alle auf den Spielplatz freuen. Geplant sind vier Schaukeln, ein Labyrinth, eine Kletterburg mit Brücke, eine Wippe, ein Balancierbalken und eine Sitzrunde, die wir liebevoll das kleine Amphitheater nennen. Die Zeit für den Bau des Spielplatzes vom 20. Oktober bis zum 2.November ist zwar knapp bemessen, aber nach dem entworfenen Leitfaden und der Erfahrung bei der Durchführung unserer bisherigen Projekte durchaus realisierbar. Mit Unterstützung unserer Kooperations-Organisation Umoja und ihrer Leiterin vor Ort , Lydia Kilindo, fangen wir an Material zu besorgen, Mitarbeiter zu engagieren und Löcher zu graben. Dank Lydias Kiswahili -Kenntnissen, der Landessprache Tansanias, gestaltet sich der Einkauf und die Organisation von Materialien relativ einfach. Trotzdem müssen wir lange verhandeln um dicht an die ortsüblichen Preise für die notwendigen Materialien zu gelangen. Die Weißen werden hier „Mzungui“ genannt, was man auch mit die Seltsamen übersetzen kann und es ist klar, dass man die Seltsamen schon aufgrund ihrer Benennung nicht wie die Normalen behandeln kann, zumindest nicht was die Preise für Materialien angeht. Also verhandeln wir. Und da wir ein internationales Team unter orientalischer-afghanischer Beteiligung aus einer alten Hansestadt sind, verhandeln wir solange bis sogar der sansibarische Holzhändler in Stonetown so genervt ist, dass er uns beinahe gar nichts mehr verkaufen will. Einer von uns überzeugt den Holzhändler dann doch noch seine Ware an uns zu einem günstigen Preis zu verkaufen. Wir lassen uns den Kauf glücklicher Weise quittieren, denn auf dem Rückweg nach Nungwi werden wir in Polizeikontrollen immer wieder nach Belegen für das gekaufte Holz gefragt. Wer hätte gedacht, dass wir die Belege für Einkäufe schon in Afrika benötigen würden. Quittungswahnsinn auf Sansibar, man merkt das die Deutschen mal hier waren. Wir sind auf jeden Fall froh darüber die Belege für den Kauf des Holzes zu haben, denn sonst hätten wir wahrscheinlich an jeder Polizeistation „Zoll“ zahlen müssen. Als wir vom Holzeinkauf zurückkommen ist es fast dunkel. Einige von uns sitzen schon am Strand beim Essen und fragen, ob der Holzeinkauf nicht auch von einer einzelnen Person durchgeführt werden kann. Klares Dementi.

Die Tage verstreichen und der Bau des Spielplatzes nimmt langsam Gestalt an. Für das Labyrinth und das Amphitheather werden ordentlich Steine und Zement verbraucht. Die Fundamente der Schaukeln der Kletterburg und der Brücke brauchen ebenfalls noch ordentlich Zement. Die Hölzer werden zugesägt und mit den Bewohnern aus dem Dorf Vereinbarungen über ihre Mitarbeit getroffen. Die Mitarbeiter erhalten täglich ihre Bezahlung. Viel Zeit braucht die Organisation eines Bohrers für die Verankerung der Schrauben an den Schaukeln. Größe Nägel lassen wir uns in Stonetown anfertigen. Hier gibt es eine Straße in der sämtlichen „Eisengewerke“ zu finden sind und man nach eingängiger Erklärung und viel Glück das angefertigt bekommt was man in Auftrag gegeben hat. In den nächsten Tagen sind wir mit unserer Arbeit gut voran gekommen und obwohl die Zeit für den Bau des Spielplatzes knapp bemessen war, schien es als würden wir gerade noch rechtzeitig fertig werden. Bei Gesprächen mit den Einwohnern im Dorf und den Lehrern der Schule wurde aber immer darauf hingewiesen, dass der Bau eines Netball-Platzes erwartet wurde. Netball ist ein basketballähnliches Spiel und wird vor allem von den Mädchen und Frauen auf Sansibar mit großer Begeisterung gespielt. Das Netballfeld hat eine Länge von 30,5 m und einer Breite von 15,25 m und ist damit etwas größer als ein Basketballplatz. Aufgrund unseres Verhandlungsgeschicks beim Einkauf von Materialien war unser Budget noch nicht ausgeschöpft und so entschlossen wir uns zur großen Freude der Einwohner und Schüler des Dorfes den Netballplatz zu bauen. Wir organisierten die Arbeiter, von denen wir beinahe 20 benötigten um rechtzeitig fertig zu werden, eine Menge Fusi, eine Art Schotter und noch mehr Zement. Wir hatten nun also zwei Baustellen, eine neben der Schule wo der Spielplatz entstand und eine vor der Schule, wo der Netball-Platz entstand. Durch die Wahlen konnten wir am Netball-Platz nicht weiter arbeiten und einer unserer besten Mitarbeiter, unser Vorarbeiter Francis, musste uns aufgrund eines tragischen Vorfalls in seiner Familie auch noch in Richtung tansanisches Festland verlassen. Nun mussten wir uns etwas einfallen lassen. Die Arbeiter mussten die Nacht durcharbeiten damit wir rechtzeig fertig würden. So organisierten wir Wasser für das Anmischen des Zements und Strom für die Lichter, die den Platz beleuchten sollten. Am nächsten Tag war der Netball-Platz beinahe fertig, nur noch einige kleine Arbeiten mussten erledigt werden. Wir hatten es tatsächlich geschafft. Auch der Spielplatz mit vier Schaukeln, einer Wippe, unserem kleinen Amphitheater, dem Labyrinth, einer Kletterburg mit Brücke, Balncierbalken und die Bemalung der Schulwand war geschafft und so feierten wir mit den Kindern des Dorfes die Einweihung unserer neuen Glücksoase. Sudi, einer unserer treusten Mitarbeiter, führte noch eine artistische Aufführung mit seinem Partner in dem kleinen Amphitheater vor. Die Kinder waren begeistert. Wir verteilten zur Einweihung der Glücksoase noch Spielsachen, die wir aus Deutschland mitgenommen hatten und es gab noch ein großes Essen für Mitarbeiter, Kinder und alle Beteiligten. Wir waren glücklich und zufrieden unserer Arbeit in der kurzen Zeit geschafft zu haben, aber auch Müde. Denn es gab kaum einen Tag an dem wir die Baustellen vor Sonnenuntergang verlassen hatten. Während des Aufenthalts und Durchführung des Projekts sind uns viele fantastische Menschen begegnet, die uns Unterstützt oder uns Mut für unsere Arbeit gemacht haben. Lydia von dem NGO Umoja ist noch immer vor Ort und berichtet uns, dass der Spielplatz von den Kindern sehr gut angenommen wird und im Dorf das Netball-Fieber ausgebrochen ist.

In Nungwi gibt es noch viel zu tun. Die Schule an der wir gearbeitet haben wartet seit Jahren auf die Fertigstellung weiterer Gebäude und die Einrichtung von Klassenzimmern. Ein Labor und eine kleine Schulbibliothek sollen gebaut werden. Die Wasserversorgung, so wurde uns immer wieder berichtet ist nicht stabil und es wäre wichtig hier eine sichere Versorgung aufzubauen. Obwohl es am Strand vier und fünf Sterne Ressorts internationaler Touristikkonzerne gibt, herrscht schon in den Dörfern kurz hinter den Ressorts unnötige Armut und Mangel an einfachsten Dingen. Der Plastikmüll, in Form von PET-Flaschen droht dieses kleine Paradies unter sich zu begraben. Dabei wäre dies mit einfachsten Mitteln zu verhindern. Wir werden sicherlich nicht, dass letzte mal dort gewesen sein, um ein Projekt für diese wundervolle Insel und ihre fantastischen Bewohner umzusetzen. Am 02. November kehrten wir glücklich und wohlbehalten nach Deutschland zurück. Wie man uns berichtete ist es durch geschickte Beteiligungen und Koalitionen zwischen den Parteien auch nach den Wahlen friedlich geblieben, was uns besonders für Tansania und Sansibar freut.