Eine Glücksoase für Mazar-i-Sharif

Die Reise nach Mazar

Am 22. Mai 2009 bin ich mit Safi Airways in Kabul angekommen. Gleich am nächsten  Tag ging es mit dem Auto nach Mazar-i-Sharif. Mazar liegt rund 500 km von Kabul entfernt. Die Fahrt dahin war ein positives Erlebnis für mich, wunderschöne Berglandschaften und frische landestypische Speisen, die am Straßenrand von Kindern oder älteren Afghanen verkauft wurden. Während der Durchreise sind wir an mehreren Siedlungen vorbeigefahren, die immer noch von den Kriegen der letzten Jahre gezeichnet sind. Dank des vielen Regens und dem Gletschereis der Berge, das im April anfängt zu schmelzen, sind einige Landesteile Richtung Norden sehr schön mit Grün bedeckt. Immer wieder sind wir an Hirten vorbei gefahren, die mit Frau und Kindern durch das Land ziehen.

Die Schule in Mazar

Ziel unseres Projektes „Glücksoase Spielplatz" ist es diesmal, einen Spielplatz in der Schule Chooghdak in Mazar-i-Sharif entstehen zu lassen. Diese Schule wurde mit Unterstützung des Vereins „Schulen für Afghanistan e.V.“ gebaut, der bei diesem Projekt unser Kooperationspartner ist und sich neben anderen an den Kosten beteiligt. Die Schulzeiten sind in zwei Schichten aufgeteilt, von 08:00 - 13:00 Uhr gehen Mädchen vom Kindergartenalter bis zu neunten Klasse zum Schulunterricht, und von 13:30 - 18:00 Uhr gehen Jungs von der ersten bis zur neunten Klasse in den Unterricht.

Ortskundige Helfer

Begleitet haben mich auf der Reise Haji Dawood, der schon beim Bau des ersten Spielplatzes dabei war und Rolum Rabani, der als Fahrer für uns tätig war. Während des gesamten Aufenthalts in Afghanistan hat Rabani einwandfreie Arbeit geleistet. Weil er trotz der konfliktreichen afghanischen Geschichte immer im Land geblieben ist, hatte er zu fast jeder Umgebung eine Geschichte zu erzählen und hat so die Fahrt zu einem echten Erlebnis gemacht.

Ein herzliches Willkommen

Am nächsten Morgen haben wir uns mit Schulleiter Mohammad Naim in seinem privaten Büro unweit der Schule getroffen. Dieses hat er so umbauen lassen, dass Besucher wie wir eine gute Übernachtungsmöglichkeit vorfinden. Als wir schließlich in der Schule ankamen, wurden wir dort schon von dem stellvertretenden Schulleiter sowie von einem Sportlehrer erwartet und herzlich begrüßt. Wir verschafften uns einen Überblick über das Schulgelände und beratschlagten gemeinsam über die bestmögliche Anordnung der verschiedenen Spielelemente. 2 Die Vorbereitungen Bevor der Aufbau allerdings beginnen konnte, musste Baumaterial organisiert und Arbeitskräfte angeheuert werden. Es war uns wichtig, keine Zeit zu verlieren, und das ProjektEin herzliches Willkommen schnell und effektiv umzusetzen. So machten wir uns also auf den Weg zum ersten Lieferanten, um Bausstoffe zu bestellen. Während der Besorgung der ersten Rohstoffe für den Spielplatz haben wir uns mit ortsansässigen Maurern und Tischlern sowie Hilfsarbeitern darüber geeinigt, dass sie an dem Bauprojekt mitarbeiten. Ein weiterer innerlichster Wunsch von mir war es, darauf hinzuwirken, dass alle zusammen glücklich sind. Der Bau des Spielplatzes Jeden Morgen sind wir um 6 Uhr aufgestanden und haben bis in die Abendstunden gearbeitet. Die Maurer haben ihren Job äußerst zügig fertig gestellt, die Tischler allerdings brauchten von Zeit zu Zeit immer wieder einen Anstoß, um in die Gänge zu kommen. Dennoch war mit viel Kraft und gutem Gewissen in nur acht Tagen das Werk vollbracht und die Kinder konnten es kaum noch erwarten, endlich auf ihrem Spielplatz zu spielen. In den letzen Tagen der Bauphase waren viele von Ihnen schon anderthalb Stunden vor Schulbeginn gekommen, so groß war ihre Spannung. Immer wieder fragten die Schüler mich, ob sie in die Baupläne reinschauen dürften und es entstanden lebhafte Diskussionen unter Ihnen, welche Spielelemente sie unbedingt haben müssten. Es hat den Kindern sehr großen Spaß gemacht mit mir darüber zu diskutieren, was für Spielelemente sie bekommen. Am Tag der Eröffnung stellte sich schnell heraus, dass die Schaukel die größte Anziehungskraft auf die Kinder ausübt und wir waren froh, insgesamt vier gebaut zu haben. Wie auch bei unserem ersten Spielplatz in Char Asiab haben wir für alle Spielelemente Fundamente gegraben. Die Erfahrung aus dem Bau des ersten Spielplatzes hat sich bemerkbar gemacht, sowohl bei der Auswahl als auch bei der Anordnung der verschiedenen Spielelemente. Die Frage, ob die Kinder es toll finden, was wir für sie gebaut haben, ist so überflüssig wie die Frage, ob jemand, der durch die Wüste wandert, ohne Wasser auskommt. Die Einweihung Am 31.Mai 2009 haben wir den Spielplatz freigegeben, endlich konnte es mit dem Spielen losgehen! Die Kinder waren überglücklich. Wenn ich über die Stimmung nachdenke bekomme ich immer noch eine Gänsehaut. Es ist kaum vorstellbar und dennoch: All die Arbeit und Mühe werden von solch einem Tag in den Schatten gestellt, und ich selber frage mich, wann wir den nächsten Spielplatz bauen. Plätze dafür gibt es genug. Die meisten Afghanen, mit denen wir über den Spielplatz gesprochen haben, waren begeistert von der Idee und sagten, dass Kinder so einen Platz haben sollten, um für einen Moment glücklich zu sein. Die während des Baus und der Eröffnung entstandenen Bilder sind der Beweis, dass es alma terra mit dem Spielplatz gelungen ist, die Kinder von Chooghdak glücklich zu machen. (siehe Bilder im Anhang) 3 Am Tag der Einweihung gab es vor dem Abschied noch ein abschließendes Treffen mit einigen Lehrerinnen und Lehrern, sowie dem Schulleiter Mohammad Naim und seinem Stellvertreter. Jeder Lehrer hat sich auf seine Art und Weise für die gute Zusammenarbeit und das schöne Resultat bedankt. Nach dem Meeting haben wir zwei Klassen besucht, die Lieder für uns gesungen haben. Die Klassensprecher haben sich im Namen der Schulkinder für das tolle Geschenk bedankt.

Ein kleines Fazit

Nicht nur die Kinder freuten sich über den Spielplatz, auch der Schulleiter war darüber sehr glücklich und Stolz, da seine Schule durch den Spielplatz eine Aufwertung erfahren hat. Das Image der Schule hat sich verbessert, da für viele Kinder die eingeschult werden sollen die Schule interessanter geworden ist. Ich selber bin sehr zufrieden gewesen, besonders über das Tempo das wir vorlegen konnten. Dies war nur möglich, weil alle Mitarbeiter und Helfer mitgezogen haben. Und auch die Rohstofflieferanten sowie alle anderen Zulieferer haben ihre Zeiten eingehalten. Folgende Spielelemente haben wir gebaut: Vier Schaukeln, eine Wippe, eine Kletterburg, einen Klettermast, zwei Fußballtore, einen Volleyballcourt sowie einen Basketballkorb. Ergänzend wurden der Schule vier Basketbälle, vier Fußbälle, vier Volleybälle und fünf Springseile übergeben. Der Hauptfokus unserer Diashow „Eine Glücksoase für Mazar-i-Sharif“ liegt natürlich auf dem Spielplatz. Nichtsdestotrotz kommen Afghanistans Landschaft und seine Menschen nicht zu kurz.

Projektzeitraum: 22. Mai 2009 – 31. Mai 2009
Ort: Schule Chojar Amzori Chooghdak in Mazar-i-Sharif / Afghanistan
Architektin: Ursula Wythe
Bauleiter: Haji Mohammad Dawood
Fahrer: Rolum Rabani
Projektleiter: Abrahim Naeim